Jeanne Carroll


First Lady Of Chicago Blues

Als eine der letzten großen Sängerinnen ihrer Generation singt Jeanne Carroll den Blues mit einer Intensität, die sowohl ihrer eigenen Biographie wie auch der Emotionalität afro-amerikanischer Musiktradition verpflichtet ist.

Jeanne Carroll wurde 1931 in Ruleville/Mississippi, einer kleinen Siedlung in der Nähe von Clarksdale geboren und erhielt ihre erste musikalische Ausbildung im örtlichen Gospelchor. Aufgrund der schlechten Lebensbedingungen in den Südstaaten zog sie - wie viele Schwarze ihrer Generation - 1946 nach Chicago. Dort studierte sie Gesang am Lincoln Center und begann, in den zahlreichen Blues- und Jazzclubs ihrer neuen Heimat aufzutreten.

In den 50er Jahren war die Szene in Chicago sehr lebendig, der afro-amerikanische Zuwanderungsboom der Nachkriegszeit schuf Nachfrage nach authentischem Blues. Aus dem Süden stammende Musiker wie Muddy Waters, Junior Wells, Buddy Guy prägten den Sound dieser Zeit. Jeanne Carroll trat gemeinsam mit ihnen auf. Schallplatten mit ihrem "Penny Pinchin' Blues" oder der mit Little Brother Montgomery aufgenommene "Vicksburg Blues" waren lokale Hits.

Ohne ihre Wurzeln in Blues und Gospel aufzugeben entwickelte sich Jeanne Carroll in den späten 50er und 60er Jahren zur Jazz-Sängerin. Konzerte mit Earl Hines, Charles Mingus, Duke Ellington und Count Basie festigten ihren Ruf.
Mittlerweile dreifache Mutter (ihre Tochter Karen ist übrigens derzeit eine der angesagtesten Blues-Sängerinnen Chicago's !) blieb Jeanne Carroll jedoch in Chicago, wo ihr ständige Auftritte mit den Bands von Van Freeman und Francis Jackson ein sicheres Einkommen garantierten. In den 70er Jahren führten Tourneen um die halbe Welt, die Francis Jackson Band bereiste Südostasien, Lateinamerika und Kanada. Dennoch blieb Jeanne Carroll in Chicago so populär, daß ihr die "Chicago Herald Tribune" 1972 den Titel "Singer Of The Century" verlieh.

In den 80er Jahren tourte Jeanne zum ersten Mal (!) in Europa, seit 1988 lebt sie den größten Teil des Jahres in Deutschland. Seitdem entstanden drei CDs. Tourneen der letzten Jahre führten durch Frankreich, die Schweiz, Tschechien, Spanien, Italien und nach Brasilien und Argentinien.
Seit 1990 wird sie bei Konzerten in Norddeutschland regelmäßig von der Blues Mafia begleitet, im August 2000 erscheint eine gemeinsame Live-CD.
Nach 50 Jahren als professionelle Sängerin, die zahlreiche Höhepunkte, aber auch ernste Rückschläge in der unkalkulierbaren Welt des Musikgeschäfts erlebt hat, gehört Jeanne Carroll heute zu den wenigen verbliebenen Sängerinnen, die dem Publikum den Respekt und die Liebe zu afro-amerikanischer Musik vermitteln, die sie selbst gegenüber dieser Kunstform seit Jahrzehnten empfinden.